WisoWeshalbWarum

***Wenn der kleine Grosse fragen stellt zu Pflegegeschwistern…
Und zu verstehen beginnt, dass ich nicht die richtige Mami bin.
Dass diese Jugendlichen nicht bei ihren leiblichen Eltern sind.
Er sich Gedanken darüber zu machen beginnt, warum das so ist.
Dann ist viel Bedachtheit, sind gerecht gewählte Worte, angemessene Ehrlichkeit und ein haufen Zeit nötig.***

 

WisoWeshalbWarum … darum.

Darum starte ich heute mit meinen Erzählungen aus unserem Alltag als (sozialpädagogische Pflege-) Familie.

Weil es eben nicht so einfach ist die vielen (Kinder-) Fragen zu beantworten.

Weil es beschäftigt, Gedanken antreibt, Kopfkino auslöst und mir das Schreiben (und Reden) gut tut.

Weil ich unsere Erfahrungen, Geschichten und Anekdoten gerne (mit)teile und selbst gerne lese und zuhöre.

Weil ich Geschichten liebe.

Werbeanzeigen

Gefühlsduselig

Worte kommen,

Das Herz zieht sich zusammen, 

Der Atem stockt,

Worte kommen,

Tränen steigen,

Der Bauch reagiert,

Worte kommen oder auch nicht mehr.

 Ein Streit und DAS passiert mit mir…

Ich wünschte manchmal ich wär nicht so emotional…

Und doch weiss ich auch, dass das eben ICH bin.

Gehört dazu, zu mir.

Und das andere eben zu dir.

So sind wir! 

So än Seich…

„Mach nöd sonen Seich“ zu Deutsch mach‘ nicht einen solchen Quatsch. Wie oft sag‘ ich dass, oder in der Art. Oft. Manchmal ernsthaft, manchmal scherzhaft.

Dann, an einem Abend beim zu Bett gehen, fragt mich der kleine Grosse gefühlte 100 Fragen. Im Gespräch kommen wir auf einen ehemaligen Pflegejugendlichen zu sprechen. 

Da muss ich nun etwas ausholen…

Dieser hat nach ca. einem Jahr Aufenthalt bei uns einen Weg eingeschlagen, welchen wir uns nicht wünschten, nicht erhofften.

Er konnte die vielen Kurven seines Weges mit uns nicht kriegen:(                                Wir mochten/mögen ihn sehr. Er gab dem kleinen Mann und uns viele  ❤️ -Momente.

Seine Weg führte ihn weg von unserer Familie. Ins Gefägnis und dann in (geschlossene) Jugendheime. Wieder.

Wir besuchten ihn. Im Gefängnis nur zu zweit. Im Jugendheim mit dem kleinen Grossen. Er freute sich und gleichzeitig war sein Unbehagen spürbar. Denn er wollte dem kleinen Mann ein gutes Bild vermitteln. Eigentlich.

Das war an jenem Abend ca. ein Jahr her.

Da fragt mich mein Schatz, ob er, wenn er „Seich macht“ auch weg muss von uns. Mein Herz blieb fast stehen! Ich brauchte einen Moment um zu kombinieren – manchmal, oder seeehr oft, wünsch ich mir Teil seines Kopfkinos zu sein.                      Zur Sicherstellung meines Verständnisses fragte ich nach, wie er das denn genau meine.

„Er hat ja ‚en grossä Seich‘ gemacht. Ich mach‘ ja manchmal auch Quatsch. Wenn ich jetzt solch‘ grossen Quatsch anstelle, muss ich dann auch ins Gefängnis/ins Heim?“

Ach. Du. Meine. Güte. Neiiin! Da wurde mir bewusst wie sehr meine/unsere Worte prägen. Langsam. Stetig. Täglich.

Oft verwende ich den Ausdruck „sonen Seich“ oder „das isch jetzt än Seich“. Mit unseren Kids und eben auch den Teenies. Doch für mich waren das verschiedene intensitäten der Aussage, bezogen auf den Adressaten. Für mich. Dass dies bei unserem kleinen Grossen zu dieser Folgerung führt (mit 4), dass kam mir nicht im Traum in den Sinn.

So beruhigte ich ihn. Erklärte ihm, dass es ganz verschiedene Arten von „Seich“ machen gibt. Und ER in seinem Alter gar nicht einen solchen Quatsch anstellen kann dass es soweit komen würde, dass er von uns weg müsste! Und WIR uns als Mami und Papi ganz fest bemühen mit ihm den rechten Weg zu gehen.

Gemeinsam. 

Winterschläfer

Es ist 13:15 Uhr Mittags. Wir sind im Wohnzimmer, voll beschäftigt im Spiel mit „Feuerwehr- und Polizeieinsätzen“… da kommen die 2 Teenager um die Ecke. Noch völlig verschlafen und „verdruckt“ wie wie wir es liebevoll nennen – da sie gestern „im Ausgang“ gewesen sind (im Ausgang = sie waren aus, an einem Stadtfest)

Der kleine Grosse schaut die beiden Jungs an, hopst zu Mami und sagt in die Runde: „Diä sind wiä diä wo Winterschlaf mached, gäll Mami?!“ (Die sind wie die, die einen Winterschlaf machen, stimmts Mami?). Äääh jaaa…Gedankenkreisen…achsooo ja! Weil sie so lange im Bett waren und geschlafen haben!? Verschmitztes Lächeln vom kleinen Grossen und uns kullern fast die Tränen vor Lachen!

L(i)eben

Das Leben nicht zu ernst nehmen, und trotzdem alles geben,

Das Leben geniessen, und trotzdem nicht übers Ziel hinaus schiessen,

Das Leben nicht verplanen, und trotzdem Pläne haben,

Das Leben ausfüllen, und doch nicht überfüllen,

Das Leben mit Freunden und Familie teilen, und doch auch mal alleine verweilen,

Das Leben bewusst gestalten, und trotzdem nicht überverwalten,

Dem Leben mit Respekt begegnen, und sich dennoch wehren,

Das Leben lieben lernen um geliebt zu werden!

ElternSein

Der Elternstolz der stets aufblitzt,
wenn die Kleinen so verschmitzt, 

den Alltag in Bewegung bringen, und gleichzeitig alles zum Stillstand zwingen. 

Doch auch die enorme Verantwortung wird einem bewusst, denn wie ja schon lange gewusst, 

so wie die „Grossen“ tun – oder eben nicht, so nimmt einem der Nachwuchs in die Pflicht.